Warum die SNCF nicht im Takt fährt 3


Die SNCF, (Société nationale des chemins de fer français) (ungefähr: Nationale Französische Eisenbahngesellschaft), sie ist günstig, und hat in jedem Zug mindestens ein, meistens zwei Zugbegleiter. Zwei Lokführer sind natürlich auch nötig, so muss das sein. Beides wurde von den Gewerkschaften mit langen Streiks immer wieder durchgesetzt.

Die Grundidee der SNCF war, dass jeder Ort mit mehr als 1500 Einwohner einen Bahnhof und somit ein Schienenanschluss bekommt. Davon ist natürlich nicht mehr alles übrig. Doch, wie stehts um die SNCF wirklich? Wie ist sie Aufgebaut?

Der Aufbau (Personenverkehr)

Der Personenverkehr kennt schon lange kein Regionalzug mehr. Das passt nicht ins Konzept der SNCF. Das sind alles TER (Train EXPRESS Regional!) (Also so was wie bei uns die Regionalexpress sind). Diese halten natürlich nicht an jedem Ort. Leider gibt es Orte, die niemals mit dem gleichen TER zu erreichen sind, obwohl sie auf der selben Linie liegen. Da der TER 1 bei ihnen hält, aber nicht im Ort B, wo sie hinwollen, und der TER 2, hält im Ort B, aber eben nicht bei ihnen. Das ist im Elsass und Lothringen zwar nur noch sehr selten, aber in anderen Regionen leider immernoch Alltag.

Genau genommen hat jeder Französische Bahnhof wenigstens ein TER am Tag, der hält, hat der Ort eine gewisse Grösse hat. (wobei dort vorallem die Regionen zuständig sind!) Im Elsass zb. haltet an jedem Bahnhof wenigstens drei TER am Tag. Es gibt hier allerdings einige Ausnahmen, wo die SNCF die Bahnhöfe schloss, und dafür nun ein Bus fährt.

In den meisten Regionen ist der Nahverkehr auch heute noch sehr Rückständig. Takt gibts mal grundsätzlich nicht. (Ausg. einige wenige Linien im Elsass, Lotringen, Franche-Comte und rund um Paris, Lyon und anderen grossen Städten!) Meistens fahren die Züge nach Bedarf. Nach welchen Kriterien dieser ermittelt wird, ist jedoch kaum ersichlich. Jedoch hat man wenigstens an den wenigen TER die Fahren, Anschluss nach Paris. (Dort wo im Takt gefahren wird, und die Züge nun Stündlich fahren, nicht mehr mit jedem Zug, sondern mind. 1 mal am Tag, meist aber 3 mal am Tag)

Um dem ganzen noch einen oben drauf zu setzen, fahren an gewissen Orten die Züge etwa so:

Mo: 8.27; Di (Gerade Woche) 9.55 Di (Ungerade Woche) 6.23; Mittwoch (erster und letzer im Monat) 8.19; Mittwoch (zweiter und dritter) 11.25; Donnerstag 12.55; Freitag 13.45; Samstag 15.55; Sonntag: 18.00. Auf dem Fahrplan könnte man dann meinen, er fährt ganz oft, doch in Tat und Wahrheit nur einmal am Tag!

Das gesammte Netz ist sowieso auf Paris ausgerichtet. In den Regionen jeweils sind die Netze auf die Hauptstadt der Region ausgerichtet. Also zb. im Elsass auf Strasbourg, in Franche-Comté auf Belfort.

In den vergangenen Jahren hat sich jedoch vieles getan. Gerade im Elsass, Lotringen und Franche-Comté wurden die Verbindungen teilweise massiv ausgebaut. So fährt nun von Basel nach Strasbourg jeweils um x.17 ein Zug nach Strasbourg. (Samstag jedoch um 13.17 nicht, da dort um 13.04 der Grand Line fährt, auch um 16.17 nicht, auch dort schon um 16.08)

Das Elsass hat ja gerade im Regionalverkehr viel getan. So wurde eine eigene Zugkategorie fürs Elsass geschaffen, der TER200, der dann mit 200Kmh fährt, und nur in St. Louis, Mulhouse, Colmar, (Selesat), (Erstein) und Strasbourg hält. Eine solch klare Führung eines Zuges gabs bis anhin in keiner anderen Region. Doch einigen scheint die Idee des Elsass zu gefallen, und es wird darüber nachgedacht, auch dort solche Linien einzuführen.

Zusätzlich gibts den CORAIL und die Grand Line. (letzeres sind die Eurocity). Der Corail fährt meistens innerhalb von Frankreich weite Strecken, und hält in den grösseren Orten. So was wie ein Intercity also. der GL, oder eben EC bei uns, fährt dann zusätzlich auch andere Länder an, oder kommt aus anderen Länder. (Zb. Chur – Basel – St. Louis – Mulhouse – Colmar – Strasbourg – Metz – Luxemburg – Belgien oder umgekehrt, was dann in Frankreich immer so lustig ausschaut, weil da ja nicht Chur steht, und jeder Schweizer verwirrt überlegt, wo denn bitte schön Coire liegt, und ob er wirklich in den richtigen Zug steigt, um nach Basel oder Zürich oder eben, Chur zu kommen.

Als schnellstes Glied gibts dann noch den TGV (Train Grand Vitesse), der nicht zum Normalpreis der restlichen Fahrkarten bezogen werden kann, und der Reservationspflichtig ist. Er fährt auf vielen Strecken nur einmal am Tag, auf einigen 3 mal, auf anderen 5 mal. Doch, da das TGV Netz etwas „unübersichtlich“ ist, kann dadurch sehrwohl eine fast Stündliche Verbindung von Strasbourg nach Paris angeboten werden. Die TGV halten nicht ganz so oft, wie der TER, oder GL, naja, mit Ausnahmen einiger TGV von und nach der Schweiz, die dann etwa auch in Mulhouse und Colmar halten, und zu allem Witz teilweise sogar in Selesat!

Nun zum Französischen Tarif- und Automatensystem:

In Frankreich gibts nur an jenen Orten, an denen der TGV auch wirklich hält, ein gelben Automaten, welcher erlaubt, auch Billets nach ganz Frankreich zu kaufen. Sonst gibts nur die Blauen, die nur Münzen und Bankkarten, Visa, Mastercard nehmen, welche jedoch auch nur Billets für die Region verkaufen. Und das mit der Region bezieht sich meist nicht mal auf die tatsächliche Region. In Basel SNCF gibts Billets nach viel mehr Orten, als zb. in Sarreguemines, welches aber noch ein Schalter hat.

Aber, was, wenn man keine 72 Euro in Münz hat (das ist die maximale Münzmenge in 2 Eurostücke, die der Automat verarbeiten kann, falls man es schafft, diese innerhalb von 1 Min zu füttern), oder wenn man keine BC Karte hat? Oder wenn man an einen Ort fahren mag, der nicht auf dem Automaten steht? Oder der Automat die Fahrkarte für seine Vergünstigung nicht kann? (was übrigens sehr oft vorkommt, bei ca. 800 Rabattarten)

Sofern am Bahnhof kein SNCF Schalter vorhanden ist, oder dieser geschlossen ist, wie in Basel SNCF, in den Zug einsteigen, und sich SOFORT beim Zugsbegleiter melden. (Er läuft nach jedem Bahnhof durch den Zug, und da muss man ihn umbedingt ansprechen, sonst wirds SAU TEUER!)

Dieser verkauft einem immer sehr höflich eine Fahrkarte, und man kann bei ihm auch mit Euronoten bezahlen. NUR IM TGV geht das nicht! Dort besteht Platzreservationspflicht, und nix mit so mitfahren. Naja, theoretisch zumindestens nicht. Die Französischen Zugbegleiter sind nach meiner Erfahrung immer sehr höflich und meistens auch sehr Zuvorkommend, so dass man schon mal ein Auge zudrückt.

Die 800 Rabatte in Frankreich:

Es soll nun keiner kommen, und sagen, da blickt doch keiner druch! In der Schweiz gibts mit Sicherheit 20 Tarifverbunde, in Deutschland wohl eher 1000, und wie und welche Rabatte die dort haben, kann sich ja wohl auch keiner merken.

Grundsätzlich ist jedoch das Rabattsystem in Frankreich logisch aufgebaut:

-> Alter
-> Anzahl Fahrten
-> In der Region
-> Über die Region
-> Nach Paris
-> Randzeiten

Erst mal zum Alter: In Frankreich kann man ab 60 vergünstigt fahren, und bis 25 ebenso. Dafür gibts jeweils eigene Fahrkarten. Für Familen gibts eine eigene, damit die Kinder umsonst mitkönnen.

In den meisten Regionen kann man 10 Fahrkarten kaufen, und zahlt nur 8 oder sogar noch weniger.

Die Fahrkarten sind GENERELL in Frankreich 2 Monate gültig, und müssen vor Fahrantritt am gelben Entwerter abgestempelt werden. (Ausnahme TGV: Diese sind Zugsgebunden!)

Sofern eine Fahrkarte in der Region bezogen wird, oder in eine grössere Stadt der Nachbarregion, und dies immer wieder so ist, gibt es im Elsass die Cart Reflex Alsace, in anderen Regionen eigene Angebote. In Lothringen zb. kann man ganz ohne Grundkarte am Wochenende günstiger fahren. Von Strassbourg nach Saarbrücken zb. gibt es eine Karte für 1 Tag und 5 Personen. Auch gibt es einige Grenzüberschreitende Regioangebote zb. für Mulhouse/Freiburg (D), die dann auch in Deutschland gelten.

Über die Region hinaus gibt es einige Rabattkarten, zb. für Kinder bis 25 (zb. Tonus, die 50% Rabatt auf die sowieso schon günstigen Kindertarife gewährt), Erwachsene, Rentner usw. Zusätzlich gibt es Karten, die man zum Sammeln von Punkten verwenden kann, oder beides zusammen. Natürlich kennt auch Frankreich so was wie ein GA, das aber mit ca. 12.000 Euro etwas teuer ausfällt, vorallem, da es nur auf dem SNCF Netz gilt. Dafür haben viele Regionen Jobkarten, zb. Elsass mit „Alsa+Job“, welches dann eine Freifahrtenkarte für eine Strecke oder eine Region ist. Sie spart dann auf die Einzelfahrt ca. 75%.

Bisschen doof ist, dass eingie Rabattkarten nur in der Blauen, andere nur in den Weissen Zeiten gelten, wieder andere zwar in beiden, jedoch in der einen nur 12%, in der anderen 25% Ermässigung geben. Die Zeiten und Gültigkeit dieser Karten ist an fast jedem Bahnhof meist gross angeschlagen.

TGV als Sonderfall

Wer mit dem TGV fährt, kann ebenfalls zwischen drei verschiedenen Tarifen auswählen, die dann jedoch zu unterschiedlichen Zeiten, und bei unterschiedlicher Auslastung komplett andere Preise haben, so dass man nicht generell sagen kann, wie teuer eine Fahrt mit dem TGV ist. Teuer wirds, wenn es spontan sein soll. So kann die Fahrt von Basel nach Mulhouse im TGV 28 Euro kosten, während die gleiche Fahrt mit dem TER200, der gerade mal 1 Min länger braucht, am Wochenende mit der Cart Reflex Alsace gerade mal 2 Euro kostet.

Andererseits kann man, gewusst wie, ohne Umsteigen zu vielen Zeiten für gerade mal ein paar Euro nach Paris fahren. Das von jedem SNCF Bahnhof in Frankreich, allerdings ist das Kontingent stark beschränkt.

Nun bleibt eins zu Sagen:

Bewaren sie stets ein Kühlen Kopf, und sprechen sie so gut wie möglich Französisch, denn wenn sie es versuchen, sind die meisten Franzosen sehr hilfsbereit. Wer jedoch glaubt, er könne einfach mal Deutsch oder Elsässisch reden, wenn er nicht weiss, ob sein Gegenüber das auch kann, oder gar Englisch anfängt, der ist gleich unten durch, und dem wird mit Sicherheit weniger gut geholfen, als jenem, der es wenigstens versucht.

Wenn jedoch klar ist, dass das Gegenüber Elsässisch kann, kann man gerne Alemanisch oder Schweizerisch schwätze, denn dann verstehen sies, und mögen es auch, wenn man mit ihnen so redet. Das ist dann irgendwie eben Bodenständiger, als Französisch.

Der Franzose ansich kann aus der Schule meist eh nur Französisch, was anderes muss er auch nicht können, da in Frankreich Französisch über alles ist. Und wers nicht kann, hat Pech gehabt. Meist gibts keine, oder nur lächerliche Englische Übersetzungen, und auf Deutsch wird schon mal gar nicht übersetzt. Wenn dann auf Elsässisch. Und das ist manchmal weniger Deutsch, als man denkt!

Viel spass beim Reisen mit der sonst eher zuverlässigen SNCF. Ah, da war ja noch was:

Thema Verspätung:

Das kommt in Frankreich auch vor. Oft sogar. Was dann? Also, da mal was gutes: Wenn der Zug 30 min Verspätung hat, gibts 30% des Geldes zurück, bei grösseren Verspätungen mehr. Zudem ist die SNCF verpflichtet, einem heim zu bringen, wenn der letze Zugsanschluss gekippt wird. Das passiert jedoch nie, und seis man habe bis Morgens um 3 Verspätung. Lieber fährt die SNCF dann auf der Linie extra, als einem mit dem Taxi heimfahren zu lassen, oder gar in einem Hotel übernachten zu lassen. Beim Grenzüberschreitenden Verkehr ist das natürlich so ne Sache. Und an Bahnhöfen mit geschlossenen Schalter auch.

Aber, man kann ja auch einfach mal Übernachten, Rechnung der SNCF senden, und sehen, was passiert. Ich hatte jedoch noch nie so einen Fall. Und hoffe, dass das so bleibt. Am anfälligsten für Verspätungen ist übrigens der TGV!

Ein paar Links:

-> Fahrplan für TER
(Region muss ausgewählt werden)
-> Fahrplan Landesweit auch für TGV
-> Fahrplan „Tür zu Tür“ für Elsass
-> Total Überladene SNCF Webseite, teilweise auf Deutsch

Und nun gute Reise!

Quellen: eigene Erfahrungen, Recherchen.


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3 Gedanken zu “Warum die SNCF nicht im Takt fährt